Das erste Halbjahr 2026 stand für uns ganz im Zeichen der Öffentlichkeitsarbeit. Gewalt gegen Frauen findet noch immer viel zu oft im Verborgenen statt – und sie ist kein Einzelschicksal, sondern Ergebnis gesellschaftlicher Strukturen. Genau darauf wollten wir aufmerksam machen: mit Veranstaltungen, Gesprächen und Begegnungen, bei denen wir gemeinsam mit anderen für Veränderung eintreten.
Den Auftakt bildete im Februar unsere Jubiläumsveranstaltung zu unserem 40-jährigen Vereinsbestehen mit einem Vortrag der Rechtsanwältin Asha Hedayati, One Billion Rising, gefolgt vom Internationalen Frauentag am 8. März. Dazu kamen weitere Vorträge, Infoveranstaltungen und Aktionen unter anderem zum weltweiten Anti-Catcalling-Tag, bei dem wir mit dem Frauen- und Gleichstellungsbüro des Landkreises mit einem Infostand vor Ort waren. Catcalling bezeichnet verbale sexuelle Belästigung im öffentlichen Raum: Hinterherrufen, Pfiffe, anzügliche Bemerkungen oder ungefragte Kommentare über den Körper und das Aussehen einer Person. Was von den Verursachern oft als harmloses Kompliment verharmlost wird, erleben Betroffene als Übergriff – und es führt dazu, dass Frauen und Mädchen ihre Wege, ihre Kleidung und ihr Verhalten anpassen und sich im öffentlichen Raum nicht mehr sicher bewegen.
Auch im Landkreis waren wir im Rahmen unseres Präventionsprojekts in den Schulen unterwegs und haben dort mit Schülerinnen und Schülern über Gewalt, Geschlechterrollen, Grenzen und ein respektvolles Miteinander gesprochen.
Vor allem der Sommer war geprägt von Gesprächen mit PolitikerInnen. Es ging um den allgemeinen Austausch über unsere Arbeit, vor allem aber um das bevorstehende Gewalthilfegesetz. Befürchtungen, Sorgen und die Aspekte, die für unsere Arbeit essenziell sind, haben wir dabei mit auf den Weg gegeben.
Ein Punkt liegt uns dabei besonders am Herzen: Öffentlichkeitsarbeit und Prävention werden im Gewalthilfegesetz nicht berücksichtigt. Aus unserer Sicht ist das eine gravierende Lücke, denn beide Bausteine sind im Hilfesystem unerlässlich. Über Öffentlichkeitsarbeit erfahren Hilfesuchende überhaupt erst, wo und wie sie Unterstützung finden. Ein Rechtsanspruch auf Hilfe läuft ins Leere, wenn die Menschen, die ihn brauchen, nichts von den bestehenden Angeboten wissen. Prävention wiederum ist die Grundvoraussetzung dafür, gesellschaftliche Strukturen zu verändern: patriarchale Strukturen zu hinterfragen und die Rückwärtsbewegung hin zu alten Rollenbildern zu unterbrechen. Schutz und Beratung sind unverzichtbar – aber sie setzen erst ein, wenn Gewalt bereits geschehen ist.
Es war bereits viel los in diesem Jahr – und genauso geht es weiter. Wir bleiben laut, wir bleiben sichtbar und wir bleiben im Gespräch: mit der Politik, mit unseren Netzwerken und mit allen, die sich für ein gewaltfreies Miteinander einsetzen. Wir kämpfen weiter!




